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<title>Bürgeradel</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Bürgeradel</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Bürgeradel</b> ist ein <a href="Sozialstruktur" title="Sozialstruktur">soziostruktureller</a> Begriff, mit dem die <a href="B%C3%BCrgertum" title="Bürgertum">bürgerliche</a> <a href="Klasse_(Soziologie)" class="mw-redirect" title="Klasse (Soziologie)">Oberklasse</a> in nicht <a href="Adel" title="Adel">adelig</a> dominierten Gesellschaften wie <a href="Republik" title="Republik">Republiken</a> bezeichnet wird.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Charakteristisch für den Bürgeradel war, dass er sich auf seine Herkunft stützte und die gängige Geringschätzung des Bürgers durch den Adel überwand, die darin wurzelte, dass dieser keine Geschlechterfolge darlegen konnte.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Bürgeradel bildete geschlossene <a href="Heiratskreis" title="Heiratskreis">Heiratskreise</a>.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Er verlor seine herausgehobene Stellung durch die Reformen in den Rheinbundstaaten, in Preußen und später auch in den anderen deutschen Staaten durch den staatsbürgerlichen Gleichheitsbegriff und die allmähliche Durchsetzung der Einwohnergemeinden.
</p><p>Der Bürgeradel ist abzugrenzen gegenüber dem älteren Stadtadel (vgl. z.&nbsp;B. <a href="Patriziat_(N%C3%BCrnberg)" title="Patriziat (Nürnberg)">Nürnberger Patriziat</a>), der frühzeitig seine Ebenbürtigkeit und Zugehörigkeit zum Adel geltend gemacht hat. Schon seit dem <a href="Sp%C3%A4tmittelalter" title="Spätmittelalter">Spätmittelalter</a> waren in vielen europäischen Stadtstaaten (den Handelsrepubliken), z.&nbsp;B. den <a href="Reichsstadt" class="mw-redirect" title="Reichsstadt">Reichsstädten</a>, <a href="Hanse" title="Hanse">Hansestädten</a>, der <a href="Republik_Venedig" title="Republik Venedig">Republik Venedig</a>, <a href="Florenz" title="Florenz">Florenz</a>, der <a href="Republik_der_Vereinigten_Niederlande" title="Republik der Vereinigten Niederlande">Republik der Vereinigten Niederlande</a> oder in der Schweiz (<a href="Patriziat_(Alte_Eidgenossenschaft)" title="Patriziat (Alte Eidgenossenschaft)">Patriziat der Alten Eidgenossenschaft</a>) bürgerliche <a href="Patriziat" class="mw-redirect" title="Patriziat">Patriziate</a> kaufmännischer Prägung entstanden, die sich allerdings früh aristokratisiert hatten (Städtearistokratien an der Spitze sogenannter „<a href="Aristokratische_Republik" title="Aristokratische Republik">Aristokratischer Republiken</a>“); diese älteren bürgerlichen Führungsschichten wurden in ihren lokalen Wirkungskreisen ab Ende des 18. Jahrhunderts im Zuge von Revolutionen und Industrialisierung häufig durch neue Wirtschaftseliten abgelöst.
</p><p>Bürgeradel ist demgegenüber ein Begriff für die seit dem 17. Jahrhundert sich bildende bürgerliche Oberschicht. Ebenso ist der Bürgeradel abzugrenzen gegenüber dem „<a href="Deutscher_Adel#Geldadel" title="Deutscher Adel">Geldadel</a>“, zu dem Großindustrielle zählten, die sich einen quasi-adligen Lebensstil leisten konnten. Einige von ihnen wurden, wie auch oft weniger begüterte Bürgerliche aus dem Professoren-, Offiziers- oder Beamtenstand, für ihre Verdienste nobilitiert, andere erwarben sich ihre Adelstitel in bestimmten Monarchien käuflich (notorisch dafür waren das <a href="Herzogtum_Sachsen-Coburg" class="mw-redirect" title="Herzogtum Sachsen-Coburg">Herzogtum Sachsen-Coburg</a>, das <a href="K%C3%B6nigreich_Portugal" title="Königreich Portugal">Königreich Portugal</a>, die Republik <a href="San_Marino" title="San Marino">San Marino</a> und der <a href="Kirchenstaat" title="Kirchenstaat">Kirchenstaat</a>). All diese Neuadligen zählte man zur sogenannten „<a href="Zweite_Gesellschaft" title="Zweite Gesellschaft">Zweiten Gesellschaft</a>“.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>

<p>Ein Beispiel für den Bürgeradel waren die <a href="Hanseat" title="Hanseat">Hanseaten</a>.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Erbgesessene Bürgerschaft, bürgerliche Kollegien und Selbstergänzungsrecht des Senats bildeten in Hamburg die Grundlagen für „den grundsätzlich oligarischen Charakter der Hamburger Verfassung ..., die Verfassungsordnung daher als eine aristokratische und nicht als eine demokratische interpretiert“ wurde, einer der Gründe, warum Hamburg „als Stadtrepublik 1815 Mitglied eines <a href="Deutscher_Bund" title="Deutscher Bund">Bundes souveräner Fürsten</a> hatte werden können.“<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Gleichzeitig war kaum etwas unhanseatischer als die Annahme von Adelsprädikaten, schon die Bezeichnung als „Bürgeradel“ entspricht nicht hanseatischem Selbstverständnis (vgl. „<a href="Hanseat#Hanseatische_Adelige" title="Hanseat">Hanseatische Adelige</a>“). Das in den ältesten Bürgerrepubliken <a href="Hamburg" title="Hamburg">Hamburg</a>, <a href="Bremen" title="Bremen">Bremen</a> und <a href="L%C3%BCbeck" title="Lübeck">Lübeck</a> gewachsene Hanseatentum war im Kern eigenständig bürgerlich und keine schlichte Feudalisierung des Bürgertums im Sinne einer Anpassung an den <a href="Adel" title="Adel">Adel</a>. Ein wesentlicher Unterschied bestand im bürgerlich-beruflichen Leistungsideal meist kaufmännischer Prägung wie auch in der dezenteren Zurschaustellung von Reichtum, während für den Adel stets Repräsentation durch Prunk und Pracht stilbildend blieb.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Distanz des Bürgeradels zum Adel war so ausgeprägt, dass Bremen unter den namhaften Handelsstädten diejenige war mit der geringsten Quote von Heiraten zwischen <a href="Gro%C3%9Fb%C3%BCrger" title="Großbürger">Großbürgern</a> und Adeligen. Besonders ausgeprägt war die den Bürgeradel prägende Familientradition in Hamburg und in Lübeck. Sie ersetzte die fehlenden Feudalstrukturen und war ein Fundament des städtischen Gemeinwohls. Die Ehrfurcht vor dem Aufstieg der eigenen <a href="Familie" title="Familie">Familie</a> dominierte das häusliche und städtische Leben der „oberen Zehntausend“,<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> oft nicht ohne, wie <a href="Ida_Boy-Ed" title="Ida Boy-Ed">Ida Boy-Ed</a> es beschrieb, „die spezifische Hanseatenkrankheit: den Patrizierwahnsinn, in welchem jede Familie sich einbildet, aristokratischer als alle anderen zu sein.“<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Den Niedergang einer lübischen Hanseatenfamilie beschreibt <a href="Thomas_Mann" title="Thomas Mann">Thomas Mann</a> in seinem Roman „<a href="Buddenbrooks" title="Buddenbrooks">Buddenbrooks</a>“, in dem er die Geschichte seiner eigenen <a href="Mann_(Familie)" title="Mann (Familie)">Familie Mann</a> literarisch verarbeitete.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Adel" title="Adel">Adel</a></li>
<li><a href="Patrizier" title="Patrizier">Patrizier</a></li>
<li><a href="B%C3%BCrgertum" title="Bürgertum">Bürgertum</a></li>
<li><a href="Bildungsb%C3%BCrgertum" title="Bildungsbürgertum">Bildungsbürgertum</a></li>
<li><a href="B%C3%BCrger" title="Bürger">Bürger</a></li>
<li><a href="Citoyen" title="Citoyen">Citoyen</a></li>
<li><a href="Mittelschicht" title="Mittelschicht">Mittelschicht</a></li>
<li><a href="Kleinb%C3%BCrger" title="Kleinbürger">Kleinbürger</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. für Köln: Eduard Duller, Karl Hagen: <i>Deutsche Geschichte von den ältesten Zeiten bis zum 19. Jahrhundert</i>, 1862, S. 76.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Lutz Hagestedt: <i>Ähnlichkeit und Differenz: Aspekte der Realitätskonzeption in Ludwig Tiecks späten Romanen und Novellen</i>, 1997, S. 93.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Hildegard von Marchthaler: <i>Die Bedeutung des Hamburger Geschlechterbuches für Hamburgs Bevölkerungskunde und Geschichte</i>, <a href="Hamburgisches_Geschlechterbuch" class="mw-redirect" title="Hamburgisches Geschlechterbuch">Hamburgisches Geschlechterbuch</a> Band 9 = <a href="Deutsches_Geschlechterbuch" title="Deutsches Geschlechterbuch">Deutsches Geschlechterbuch</a> Band 127, S. XXII.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Chong One Rhie: <i>Die Entstehung der zweiten Gesellschaft: Die Nobilitierungspolitik in Habsburgermonarchie im 19. Jahrhundert, besonders an Juden in Österreich</i>, <a rel="nofollow" class="external text" href="http://digital.kongju.ac.kr/inmun/11/11.pdf.">Textversion-online</a><span style="display:none"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://IABotdeadurl.invalid/http://digital.kongju.ac.kr/inmun/11/11.pdf.">@1</a></span><span style="display:none"><a rel="nofollow" class="external text" href="http://digital.kongju.ac.kr/inmun/11/11.pdf.">@2</a></span><span style="display:none">Vorlage:Toter Link/digital.kongju.ac.kr</span> <small>(Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. <a rel="nofollow" class="external text" href="http://timetravel.mementoweb.org/list/2010/http://digital.kongju.ac.kr/inmun/11/11.pdf.">Suche in Webarchiven</a>)</small>&nbsp;<small class="archiv-bot"><span class="wp_boppel noviewer" aria-hidden="true" role="presentation"><span typeof="mw:File"><span title="i"></span></span></span>&nbsp;<b>Info:</b> Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</small></span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">John F. Jungclaussen: <i>Risse in weissen Fassaden – Der Verfall des Hanseatischen Bürgeradels</i>, München 2006, ISBN 978-3-88680-822-9.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Peter Borowsky: <i>Vertritt die „Bürgerschaft“ die Bürgerschaft? Verfassungs-, Bürger- und Wahlrecht in Hamburg von 1814 bis 1914</i>, in: <i>Schlaglichter historischer Forschung. Studien zur deutschen Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert</i>, Hamburg o. J., S. 93.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Jens_Jessen_(Journalist)" title="Jens Jessen (Journalist)">Jens Jessen</a>: <i>Was vom Adel blieb. Eine bürgerliche Betrachtung</i>, Seite 26–27, zu Klampen Essay 2018, ISBN 978-3-86674-580-3.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Matthias Wegner: <i>Hanseaten</i>, Berlin 1999, S. 96 und 111.</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Ida Boy-Ed: <i>Ein königlicher Kaufmann</i>, Stuttgart und Berlin 1922, S. 29, Textversion auf Commons: Image:Boy-Ed Ein königlicher Kaufmann.djvu.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2022-11-11" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=B%C3%BCrgeradel&amp;oldid=227889880">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
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